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Vietnam heute:


  • Wirtschaft:

Am 7. November war es soweit. Gebannt saßen in den vietnamesischen Großstädten viele Menschen vor den Fernsehern und verfolgten die Abendnachrichten, um den zwanzigminütigen Sonderbericht über den Beitritt des Landes zur Welthandelsorganisation (WTO) zu sehen. Für viele Vietnamesen ist die erwartete Aufnahme in die WTO eine Art Anerkennung für die Aufbauleistung ihres Landes. Bereits 1954 prophezeite der kommunistische Staatsgründer Ho Chi Minh, dass sein Land jeder internationalen Wirtschaftsorganisation unter Federführung der UNO beitreten werde.

Der Weg der Sozialistischen Republik Vietnam zum Freihandel war steinig und entbehrungsreich. Bis Ende der 1980er Jahre regierte im Land eine streng kontrollierte Planwirtschaft nach dem Vorbild der frühen Sowjetunion. Erst schwere Dürren und folgende Hungersnöte zwangen die Machthaber in Hanoi zum Umdenken. 1990 entschlossen sie sich zur marktwirtschaftlichen Liberalisierung, genannt Doi Moi.

Ähnlich wie zwölf Jahre zuvor in China begann die Regierung, Staatsbetriebe zu privatisieren und zu restrukturieren. Die Folge war ein eindrucksvolles Wachstum, das schon bald „Tiger“ wie Thailand, Malaysia und Südkorea überholte. Heute wächst in Asien nur noch China schneller.

 

Sozialistischer Staat, freie Wirtschaft: Vietnam gehört seit dem 7. November zur WTO

  • Politik:

HANOI Eine Lehre aus dem Vietnamkrieg für den Irakkrieg ist nach Ansicht von US-Präsident George W. Bush für die USA, Geduld zu haben. "Wir werden erfolgreich sein, wenn wir nicht einfach aufgeben", sagte Bush kurz nach seiner Ankunft in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi.  
Von Laszlo Trankovits

US-Präsident George W. Bush wurde in Vietnam von Anfang an mit Symbolen der bisher bittersten Niederlage der USA konfrontiert. Auf der Fahrt vom Flughafen nach Hanoi passiert er nicht nur zahllose rote Fahnen mit dem gelben Stern. Die Karawane der Staatskarossen fährt auch an jenem See vorbei, über dem der jetzige US-Senator John McCain 1967 als Marineflieger mit seinem Kampfflugzeug abgeschossen wurde - und dann für Jahre in Gefangenschaft geriet. "Unglaublich, dass wir hier sind", entfuhr es dem Präsidenten.

Noch in den ersten Stunden des dreitägigen Vietnam-Besuchs macht Bush, wie es sich in kommunistischen Diktaturen gehört, dem Parteivorsitzenden seine Aufwartung. Der US-Präsident zollt einer kommunistische Führung Respekt, die mit unübersehbarem Stolz auf eine blühende Wirtschaft in diesen Tagen voller Selbstbewusstsein die Staatsmänner aus der halben Welt zum transpazifischen Apec-Gipfel empfängt.

Bush ist darauf vorbereitet, dass er sich auf dem für Amerika besonders symbolträchtigen Boden Vietnams unbequemen Fragen stellen muss. Besonders nahe liegend ist die Frage nach schmerzlichen Parallelen zum Irakkrieg. Aber er muss auch erklären, wieso er weltweit den Siegeszug von Freiheit und Demokratie propagiert, im Fall Vietnam aber - nach Ansicht mancher US-Demokraten - den Eindruck erweckt, ein Ein-Parteien-System ohne jede Meinungsfreiheit zu hofieren.

Bush, nach Bill Clinton der zweite US-Präsident, der Vietnam nach dem Krieg besucht, hat in Hanoi auf alles eine Antwort. Natürlich mache auch er selbst den Brückenschlag zwischen Vietnam und dem Irak, sagt Bush. Allerdings kommt er zu dem Schluss, dass vor allem Ungeduld und mangelnde Zielstrebigkeit der USA zu dem Desaster in Vietnam geführt haben - einem Desaster, das die US-Gesellschaft tief spaltete und über 56000 US-Soldaten und zwei Millionen Vietnamesen das Leben kostete. "Wir werden erfolgreich sein, wenn wir nicht einfach aufgeben", beschwor er den Durchhaltewillen der USA - wo jüngste Umfragewerte zeigen, dass das Vertrauen seiner Landsleute in den Irakkurs immer weiter sinkt.

Sein Sicherheitsberater Stephen Hadley hatte gemeint, der Unterschied zwischen Vietnam und Irak sei, dass Ende der 60er Jahre viele Amerikaner und Soldaten nicht hinter dem Vietnamkrieg gestanden hätten. Heute sei das anders, die Amerikaner seien grundsätzlich für den "Krieg gegen den Terror". Zudem hätte der US-Abzug aus Vietnam die Sicherheit der USA nicht gefährdet. Heute wüssten die Amerikaner, dass eine US-Niederlage den Irak zu "einem sicheren Hafen für Terroristen" machen würde und den USA "Angriffe wie am 11. September 2001" drohten. Hadley erwähnt nur am Rande, dass vor 40 Jahren der berühmten Domino-Theorie Washingtons zufolge ein Fall Vietnams in kommunistische Hände alle Staaten Südostasiens in rote Diktaturen verwandelt hätte - was sich als falsch entpuppte.

Nun protestieren in den USA Menschenrechtsgruppen und Demokraten gegen zu viel Nachsicht und Handelszugeständnisse gegenüber Vietnam. Bush dagegen schwärmt von diesem "jungen Land", von der "großartigen Zukunft", der "unglaublichen Lebendigkeit" Vietnams. Nur noch ganz nebenbei spricht er von Problemen mit der Freiheit von Glauben und Politik.

Bush sieht in Vietnam den Beleg, dass die Geschichte sich auch zum Guten wenden könne, dass Gesellschaften und das Verhältnis der Länder sich ändern könnten. Besonders beeindruckt sei er, dass der vietnamesische Ministerpräsident Phan Van Khai, der noch als Vietkong gegen die Amerikaner kämpfte, seine Kinder auf eine Schule in die USA geschickt habe. "Das zeigt, wie hoffnungsvoll die Welt sein kann und wie Völker sich versöhnen können".

Manche in der US-Delegation fürchten, dass von dem Apec-Gipfel und den anderen Gesprächen Bushs in Vietnam nicht unbedingt so positive Botschaften und Signale ausgehen werden.

 

  • Innovation:

Wirbelschichtfeuerungsanlage soll Abfall aus Reis verstromen

Reis gehört zu den Grundnahrungsmitteln in Ost- und Südostasien. Da in der Reisproduktion große Mengen an Abfall entstehen - ein Viertel des Gewichts besteht aus so genannten Spelzen, die abgetrennt werden müssen - könnte dies eine neue Energiequelle darstellen. Forscher vom Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF in Magdeburg haben nun eine Wirbelschichtfeuerungsanlage konzipiert, die von ihren Kollegen an der Hanoi University of Technology zur Stromerzeugung genutzt werden soll.Dieses System bietet zumindest die Möglichkeit, Stoffe zu nutzen, die sonst verrotten", so Eyck Schotte, der die Konzeption der vietnamesischen Wirbelschichtfeuerungsanlage am IFF leitet, im pressetext-Interview. Reis liefere jede Menge Bioabfälle, bisher wird jedoch nur ein kleiner Teil davon verwertet, beispielsweise um die Öfen von Schnapsbrennereien zu feuern. 

"Wirbelschichtfeuerungsanlagen sind in Deutschland bereits seit längerem im Einsatz. Bisher wird damit überwiegend Kohle verbrannt", erklärt Schotte. Untersucht soll nun aber werden, wie gut sich dieses System auch für Biomasse eignen würde. "Die Test-Anlage, die in den kommenden Wochen in Vietnam aufgebaut wird, soll Klarheit darüber bringen, wie gut sich die Reisspelzen zur Verstromung eignen, wie ihr Abbrandverhalten ist, ob ein Sekundärstoff wie beispielsweise ein fossiler Brennstoff hinzugefügt werden muss", erklärt der Experte.

"Solche Anlagen bestehen vereinfacht gesagt aus einem senkrechten Rohr mit einem Düsenboden", so Schotte. Auf dem Düsenboden liegt ein Wirbelgut, meist Quarzsand, das mit dem Brennstoff vermischt ist. Strömt Gas durch die Düsen, reißt es das Wirbelgut mit dem Brenngut nach oben, wo der Brennstoff umgesetzt wird. Eine seitliche Zufuhr speist das Wirbelbett nach und nach mit neuem Brennstoff. Da bei diesem Verfahren die Temperatur im gesamten Rohr annähernd gleich ist, entstehen keine Temperaturspitzen, bei denen besonders viele Schadstoffe freigesetzt würden.

"Ganz unproblematisch sind die Reisspelzen ja nicht, da ihre Energiedichte gering ist", meint Schotte. Daher müsse auch die Überlegung folgen, wo man ein solches Kraftwerk errichtet. Der Forscher geht davon aus, dass ein Kraftwerk kleiner bis mittlerer Größe sich am besten dafür eignet. Außerdem werden die IFF-Techniker gemeinsam mit den vietnamesischen Forschern verschiedene Brennstoffe auf ihr Abbrandverhalten untersuchen. "Bei Bedarf können beispielsweise die Spiralschnecken, die die weiteren Brennstoffe in die Brennkammer befördern, ausgetauscht werden - und somit sowohl grobe Reisschalen als auch feinen Kohlestaub kontinuierlich in die Brennkammer einführen", sagt Schotte

Die zirkulierende Wirbelschichtanlage ist mit umfangreicher Messtechnik, wie Volumenstrommesser, Thermoelementen und Drucksensoren ausgestattet. Eine speicherprogrammierbare Steuerung zeigt alle gemessenen Werte an und speichert sie. Somit können die Forscher den Brennprozess direkt überwachen und anschließend genau auswerten. Über die Steuerung lässt sich auch die Menge der zugeleiteten Luft oder deren Temperatur einstellen. Schotte schätzt, dass die Anlage ab Anfang Dezember laufen wird.

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